Interview mit Gewinnerin des Impulspreis 2026 (3/5)

Erstellt: 05.10.2026 07:40 von Benjamin Galden

Dritter Interviewteil beleuchtet kreative Vielfalt

Sabine Gottschalk über außergewöhnliche Projekte und Herausforderungen im Mehrgenerationenorchester Duderstadt

Hannover. Der Deutsche Tonkünstlerverband Niedersachsen veröffentlicht heute den dritten Teil seiner Interviewreihe mit Sabine Gottschalk. Die Dirigentin leitet das Mehrgenerationenorchester Duderstadt, das mit dem Impulspreis 2026 ausgezeichnet wurde. Der neue Teil widmet sich den ungewöhnlichen Projekten des Ensembles und den Herausforderungen, die jede Produktion mit sich bringt.

Während die ersten beiden Teile die Entstehung des Orchesters, die Reaktion auf die Auszeichnung und den Probenalltag thematisierten, stehen nun die kreativen Formate im Mittelpunkt. Rund 30 Mitwirkende im Alter von elf bis 75 Jahren musizieren gemeinsam. Der Impulspreis ist mit 500 Euro dotiert und würdigt Projekte, die neue Perspektiven eröffnen und das kulturelle Leben bereichern.

Interview zum Impulspreis des DTKV Niedersachsen Sabine Gottschalk, Mehrgenerationenorchester Duderstadt, Anlass: Auszeichnung mit dem Impulspreis des DTKV Niedersachsen.


5. Ihre Projekte verbinden Musik mit Theater, Bildender Kunst und anderen kulturellen Partnern. Was möchten Sie Ihrem Publikum mit diesen außergewöhnlichen Formaten mitgeben?

Gottschalk: Zuletzt hatten wir ein Crossover-Konzert gemeinsam mit einer ELO-Tribute-Band erarbeitet. Das war für unser Stamm-Publikum neu und besonders interessant. Zudem ist unser Probenort das Mehrgenerationenhaus Duderstadt, das sich besonders für Geflüchtete engagiert. Hier spielen wir zum Beispiel Weihnachtskonzerte mit Filmsequenzen, die auch Menschen ohne Klassik-Erfahrung den musikalischen Zugang erleichtern. Ich habe in Detmold Musikvermittlung/Konzertpädagogik studiert, was mich für multimediale Zugänge bei Konzertgestaltungen geöffnet hat und moderierte Konzerte somit zu meinem Alltag gemacht haben. Wir können Duderstadt im Vergleich zu anderen gleichermaßen kleinen Städten als kulturelle Diaspora bezeichnen, wo es schlichtweg notwendig ist, alle Kulturschaffenden über Kunstsparten hinweg miteinander zu verbinden. Um hierzu einige große Projekte aus der Vergangenheit beispielhaft zu benennen, sei hier zuerst an das große Opern-Projekt mit afghanischen pantomimisch agierenden Darstellern „Zauberflöte incognito" zu erinnern, bei dem die Handlung von einem Erzähler simultan ins persische Farsi übersetzt wurde. Ein anderes Projekt fand mit Mussorgkis „Bilder einer Ausstellung" zu von Kindern, Jugendlichen und Geflüchteten gemalten Bildern auf großer Konzertbühne statt. Schmunzelnd erzählen Mitwirkende auch von einem Open Air-Konzert in der Innenstadt, bei dem wir quasi als „Vorband" eines Peter Maffay-Abends Vivaldis „Vier Jahreszeiten" gespielt haben.

6. Jedes Projekt bringt Herausforderungen mit sich. Gab es einen Moment, in dem Sie gezweifelt haben – und was hat Ihnen die Kraft gegeben, weiterzumachen?

Gottschalk: Jedes Projekt ist wieder eine andersgeartete Herausforderung, die gemeistert werden will. Hilfreich ist immer die Unterstützung im Kollegenkreis, das gemeinsame Überlegen von Lösungen bei Besetzungsproblemen oder instrumentaltechnischen Hürden. Die jahrzehntelange Erfahrung, dass ein Konzert am Ende des Tages gelingen wird, das gibt die Kraft zum Durchhalten. Und über allem steht die gemeinsame Freude an der Musik selbst! Dabei ist die Heterogenität des Mehrgenerationen Orchesters Herausforderung und Geschenk zugleich. Dabei beziehe ich mich nicht nur auf die Alters-Spannbreite sondern auch auf die instrumentaltechnischen und musikalischen Möglichkeiten der Mitwirkenden, die vom Anfänger mit dem Spiel auf leeren Saiten bis zum Profi mit Erfahrung im Berufsorchester und Solisten-Studium reicht. Jede und jeder findet seinen Platz im Zusammenspiel und dafür arrangieren wir den Notentext immer wieder nach dem Motto: „Was nicht passt, das wird passend gemacht."

Die kommenden Teile der Reihe bieten weitere Einblicke in das Projekt und das Miteinander des Orchesters.

Hinweis:

  Hier können Sie den ersten & zweiten Teil des Interviews nachlesen.