Neue Musikzeitung
Ausgabe November 2021

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Den kommenden Zeiten optimistisch entgegensehen

Landesdelegierte tagten im September online

Hannover. Aufbruch zu neuen Ufern – so könnte man die derzeitige Situation im Landesverband Niedersachsen des DTKV charakterisieren. Jedenfalls haben die Landesdelegierten bei ihrer diesjährigen Versammlung am 18.09.2021 zwei neue Geschäftsordnungen beschlossen – eine für die Arbeit des Vorstandes und eine für sich selbst. Darin werden die Rechte und Pflichten der einzelnen Gremien präziser gefasst als bisher und klar gegeneinander abgegrenzt. Auf diese Weise will sich der Landesverband fit machen für die Zeit nach Corona und an innerer Geschlossenheit gewinnen. Auch sollen die internen Abläufe arbeitsparender und effizienter gestaltet werden.

Zusätzlich wurde auch eine neue Gebührenordnung beschlossen. Sie stellt insbesondere die finanziellen Verhältnisse zwischen dem Landesverband und den Bezirksgruppen auf eine eindeutige Grundlage. Auf diese Weise sollen entsprechende Reibereien in Zukunft möglichst vermieden werden.

Zu dieser inneren Erneuerung passt es, dass der DTKV Niedersachsen nun auch mit einer neugestalteten Homepage auftritt. Passend dazu liegen außerdem neu designte Werbeflyer und Mappen bereit und warten auf ihre Verteilung bei der vermehrten Anzahl von persönlichen Begegnungen und Präsenzveranstaltungen, die sich der Verein für die Zeit nach Corona erhofft.

Das bedeutet aber nicht, das im vergangenen Corona-Jahr gar keine Veranstaltungen des DTKV stattgefunden hätten. So trat im Rahmen des 6. Festivals für Neue Musik in Lüneburg, das von dem dortigen DTKV-Bezirksvorsitzenden Prof. Helmut Erdmann ausgerichtet wurde, am 15. Oktober 2020 das Jazz-Quartett unseres Mitglieds Wiebke Schröder auf. Und am folgenden Tag gab es im gleichen Rahmen ein Konzert mit Kompositionen verschiedener unserer Mitglieder.

Auch die Bezirke blieben die ganze Zeit über aktiv: Sei es mit den beliebten „Konzerten bei Kerzenschein“ der Bezirksgruppe Osnabrück/Emsland, der Konzertreihe „Komponistinnen“ des Bezirks Braunschweig oder der Unterstützung musizierender Flüchtlinge mit Unterricht und Auftrittsmöglichkeiten, die von unsern Mitgliedern in Göttingen organisiert wird.

Während der Corona-Zeit setzte sich der Landesverband dafür ein, das jeweils Vertretbare an Arbeitsmöglichkeiten für seine Mitglieder und andere MusikerInnen offenzuhalten. Dazu gehörten entsprechende Eingaben an Ministerien und Behörden, Gespräche mit Landtagsabgeordneten, Auftritte der 1. Landesvorsitzenden Friederike Leithner auf Demonstrationen, und dies alles in enger Abstimmung mit anderen Kulturverbänden etc. Als Renner erwies sich die Idee der Bezirksgruppe Göttingen, den Mitgliedern Bescheinigungen über ihre Unterrichtstätigkeit auszustellen. Mit deren Hilfe konnten sie im vergangenen Frühjahr eine Priorisierung auf der Impf-Warteliste erreichen.

Insgesamt blickt der DTKV Niedersachsen den kommenden coronafreien Zeiten optimistisch entgegen. Ein Augenmerk der kommenden Jahre muss darauf liegen, vermehrt jüngere KollegInnen anzusprechen. Wir müssen auf ihre spezifische Situation als StudentInnen oder BerufsanfängerInnen eingehen und ihnen die Vorteile vor Augen führen, die sie durch eine Mitgliedschaft im DTKV erwerben können.


◾ Ulrich Roscher




Musik zwischen linearer und zyklischer Zeit

Der Komponist und Pianist Ronald Poelman stellt zwei Zyklen mit eigenen Klavierminiaturen vor

Ronald Poelmann stellte im Oldenburger PFL zwei Sammlungen mit eigenen Klavierminiaturen vor. (Foto: Thomas Knochenhauser)

Oldenburg – Manchmal genießt es Ronald Poelman, dass er nicht zu Komponisten aus der Kategorie Avantgarde gehört. Zwei Stunden erfreut der Oldenburger Komponist und Pianist sein zahlreiches Publikum im Veranstaltungszentrum PFL. Dann lacht er verschmitzt und sagt: „In meinem Alter kann man es sich leisten, sich über viele konventionelle Einordnungen hinwegzusetzen.“

In eine Kategorie passt er in der Tat nicht. Bei dem gebürtigen Niederländer zeigt die Musik nicht die Zähne. Eher nimmt sie ihre Zuhörer in den Arm und bedeutet ihnen: „Das genießen wir jetzt mal richtig schön!“

Was entwickelt sich für eine Musik, wenn Poelman poetisch über den Charakter der zwölf Tierkreiszeichen fantasiert, oder wenn er in zwölf Piano-Songs „Challenging Times“ beleuchtet? „Er bewegt sich traumwandlerisch zwischen E- und U-Musik“ hat der Oldenburger einmal über sich gelesen. Doch das wirkt nur wie ein Schwarz-Weiß-Muster für die rhapsodisch freien Stücke. Seine Musik ist in ihrer Einfachheit zwar angenehm zu hören, aber eben doch nicht einfach so zu konsumieren.

Poelman verbreitet Musik über seine „KlavierWIRKstatt.“ Es sind lebhafte und kontemplative, fließende oder innehaltende Miniaturen von drei bis vier Minuten Dauer, die Kommunikation anstoßen. Manchmal flaniert die Musik lässig, manchmal erschrickt sie sich, zieht sich zurück und vergrößert sich wieder. Dann stellt sie Fragen: „Ist dies ein Traum? Was jetzt?“ Doch am Ende stehen die Songs „Dankbarkeit“ und „Herausgefordert.“

Die Pandemiezeiten haben den Künstler in eine Phase des Innehaltens und Neuordnens gedrängt. Er entdeckte seine „Liebe zur einfachen Melodie.“ Oft spielte er für sich sein kleines Lied „Time out“, variierte es, bis es sich zu einem Album ausgeweitet hatte. Obendrein stieß auf das Bildband-Projekt „Tatendrang“ von Izabela Mittwollen mit Fotos und Interviews von Oldenburger Künstlern und Geschäftsleuten. Das gab ihm zusätzliche Anstöße. In einer Projektion sind zu den pianistischen Kunststückchen ausgewählte Bilder zu sehen.

Die atmosphärische Tiefe der beiden Zyklen und der Einzelstücke „Carpe diem“ und „Memento Mori“ steht gegen einstige Erfahrungen und Mutproben, fußt aber auf ihnen. Als Pianist hat Poelman mit dem Spiel von Debussy, Rachmaninow oder Satie Berge bestiegen. Als Komponist hat er mit der Avantgarde provoziert.

Jetzt zeigt eine auf der Bühne stehende Kunst-Uhr mit eigenwilligen Zeiger-Bewegungen oder Stillständen andere Zeiten an. Poelman stellt seine aktuell lebendige Musik ins Spannungsfeld von zyklischer und linearer Zeit. „Die lineare ist überladen, zu dicht getaktet, rast viel zu schnell“, empfindet er. So tendiert er zur zyklischen, die sich nach den naturgegebenen Abläufen richtet. Die Gelassenheit, darin einzutauchen, strahlt diese wundervoll aufs Einfache reduzierte aber mit tiefen Gefühlen erfüllte Musik aus.

◾ Horst Hollmann
Infos unter: www.klavierWIRKstatt.de







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