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Ulrich Roscher

Ulrich Roscher

Uraufführung in St. Johannis: Göttinger Knabenchor singt „Le Laude“

„Le Laude“ (Das Lob) heißt der Hymnus, den Franz von Assisi vor rund 800 Jahren gedichtet hat. Am Sonntag hat der Göttinger Knabenchor das Werk in St. Johannis uraufgeführt.

Göttingen. Den Sonnengesang des Franz von Assisi hat der Komponist Ulrich Roscher neu vertont. Uraufgeführt wurde das Werk am Sonntag vom Göttinger Knabenchor unter der Leitung von Michael Krause während des Gottesdienstes in der Johanniskirche.

„Le Laude“ (Das Lob) heißt der Hymnus, den Franz von Assisi vor rund 800 Jahren gedichtet hat: ein Lobpreis der Schöpfung und zugleich eine Mahnung an die Menschen, demütig zu sein, diese Schöpfung zu bewahren und nicht leichtfertig zu gefährden. Das ist eine ganz und gar überzeitliche Forderung, die heute mehr denn je Gültigkeit hat.

Aktives Gegenüber

Roscher hat den Text von Franz von Assisi als Kantate komponiert und dabei dem Chor ein kleines Instrumentalensemble beigegeben: Klavier zu vier Händen, Solo-Klarinette und Schlagwerk. Das Ensemble fungiert aber beileibe nicht als bloßer Begleitpart, sondern als aktives Gegenüber zu den Singstimmen. Das knapp halbstündige Werk hat eine eingängige Tonsprache, hier eher fließend und strömend, dort rhythmisch stark akzentuiert, bisweilen synkopisch.

Die vielgestaltige musikalische Sprache des Instrumentalparts ist nicht selten an den gesungenen Passagen orientiert, ja scheint manchmal den anschließenden Gesang schon vorwegzunehmen. Oft aber ist sie auch sehr eigenständig, vor allem im vielfach hervortretenden Klavierpart mit seinen scharf konturierten Akkorden oder Glissandi über den gesamten Tonraum, so als wolle das Klavier die Fülle der Schöpfung darstellen. Nirgends wird Roschers Musik langweilig, sie hat immer Überraschungen parat und lebt von Kontrasten, beispielsweise zwischen akkordischer und polyphoner Setzweise.

Einsatzfreudig und intonationssicher

Der Göttinger Knabenchor ist derzeit – vor allem im Alt – etwas pandemiegeschwächt. Deshalb hatte ihn Dirigent Michael Krause durch Mitglieder des von ihm geleiteten Konzertchores des Otto- Hahn-Gymnasiums verstärkt. Seine einsatzfreudigen und intonationssicheren Sängerinnen und Sänger hatte er gründlich auf ihre anspruchsvollen Aufgaben vorbereitet, der Chorklang war homogen. Einzig die Textartikulation könnte hier und da noch ein wenig geschärft werden: Weil die Strophen alle mit denselben Worten beginnen, verlor man, wenn man nicht konsequent mitgelesen hatte, manchmal die Orientierung.

Sehr professionell waren die Instrumentalisten bei der Sache: die virtuosen Pianistinnen Dorota Dobosz und Natalia Bachmann, der Klarinettist Guido Hauser, der kurzfristig für den erkrankten Musiker Anton Säckl eingesprungen war, sowie GSO-Schlagzeuger Harry Bidlingmaier, der in einer Passage vom Choristen Oskar Buschendorf am Becken unterstützt wurde.

In Kirchen bricht nicht unbedingt immer spontaner Beifall los – aber nach kurzem Innehalten gab es stürmischen Applaus für die Choristen und die Instrumentalisten sowie für den Dirigenten Michael Krause und den Komponisten Ulrich Roscher, der in Hannover Tonsatz und Gehörbildung unterrichtet.

„Demokratie singen“

Ulrich Roscher hat „Le Laude“ im Auftrag des Göttinger Knabenchors komponiert. Dieser Kompositionsauftrag ist Teil des Projekts „Demokratie singen“, das der Niedersächsische Chorverband aus Anlass seines 75-jährigen Bestehens und zum 75. Geburtstag des Landes Niedersachsen unter dem Motto „Die Gedanken sind frei“ konzipiert hat. Neben dem Göttinger Knabenchor sind 13 weitere Chöre der Einladung gefolgt, „ihr künstlerisches Faible mit einer politischen Note zu kombinieren“, wie es auf der Website des Projekts heißt.

In Göttingen ist „Demokratie singen“ mit einem Konzert in der Corvinuskirche am 21. Mai um 18 Uhr zu Gast. Es singen die Vokalensembles „Vivid Voices“, „Xperiment“ sowie der Göttinger Knabenchor. Dazu gibt es ein „Historisches Sofa“ mit dem Musikjournalisten Michael Krügerke und Gästen. Nähere Informationen: www.demokratiesingen.de

Von Michael Schäfer




Göttinger Knabenchor
Singing for Future

Uraufführung »Le Laude« von Ulrich Roscher in der Johanniskirche

Am Sonntag erklang in der Johanniskirche die Uraufführung von Le Laude von Ulrich Roscher. Es handelt sich um den Sonnengesang des Franz von Assisi, uraufgeführt vom Göttinger Knabenchor, komponiert von Ulrich Roscher.

Rezension von Jens Wortmann Erstellt: 28. März 2022

Der Göttinger Knabenchor, Instrumentalisten und Michael Krause in der Göttinger St. Johanniskirche | © Photo: Wortmann

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: der Göttinger Knabenchor feiert im Herbst sein 60jähriges Jubiläum. Höhepunkt wird dann ein internationales Knabenchortre?en in Göttingen sein, unter anderem mit Chören aus Turku (Finnland), Paris, Windsbach. Im Mittelpunkt des Festkonzertes im Oktober wird das Werk stehen, das jetzt seine Urau?ührung im Sonntagsgottesdienst in der Göttinger St. Johanniskirche erlebt hat.

Le Laude – Il cantico delle Creature, besser bekannt als der Sonnengesang des Franz von Assisi. Entstanden im 14. Jahrhundert, geschrieben im hochmittelalterlichen umbrischen Dialekt. Der Sonnengesang ist sicherlich das bekannteste Gebet des heiligen Franziskus. Es ist eine Hymne auf die von Gott ins Leben gerufene Schöpfung, und zugleich fordert es dazu auf, den Schöpfer selbst zu loben.

Die Lobgesänge von Franziskus wurden bereits vielfach vertont, unter anderem von Franz Liszt, Carl Or?, Petr Eben. Der Knabenchor Göttingen hat dem in Hannover lebenden Komponisten Ulrich Roscher den Auftrag gegeben, diesen Text neu zu vertonen.

Auslöser war die Bewegung Friday for Future, wie Brigitte Schur während ihrer Predigt erzählte. „Die jungen Menschen sollen die Gelegenheit geben, ihre Stimme musikalisch zu diesem Thema ‚Bewahrung der Schöpfung‘ zu erheben.“ Entstanden ist ein knap halbstündiges Werk für Knabenchor, Klavier zu vier Händen, Schlagwerk und Klarinette. „Die Chorpartie ist dem Knabenchor wie auf den Leib geschnitten“, schwärmt Chorleiter Michael Krause. Das konnte man hören: beginnend mit einer leichten, modernen Melodie gab es auch rhythmisch verzwackte Momente. Die jungen Sänger mussten zwischendurch Aufstampfen, Klatschen und ähnliche Dinge zusätzlich zum Singen leisten. Und am Ende gab es eine Fuge in 12-Ton-Technik, die es durchaus in sich hatte.

Um die Besonderheiten des Knabenchores kennenzulernen, hatte Roscher den Chor zu einem Probenwochenende begleitet. So konnte der Chorpart auf den besonderen Klang von Knabenstimmen zugeschnitten werden.

Die Instrumentalstimmen sind allerdings nur von Profis spielbar. Sehr anspruchsvoll und virtuos – und phantastisch umgesetzt von Natalia Bachmann und Dorota Dobosz am großen Ibach-Flügel in der Johanniskirche, Harry Bidlingmaier am Schlagwerk und vom Klarinettisten Guido Hauser aus Hildesheim, der sehr kurzfristig für den erkrankten Anton Säckl eingesprungen ist.

Einige Motive im Orchester tauchen immer wieder auf. Zitiert wird besonders eine Arpeggienfigur von Franz Liszt aus seinen Légendes mit dem Titel François d’Assise – La prédication aux oiseaux. Dieses Klaviervorspiel gibt „in unübertrefflicher Weise den Eindruck einer von den Bäumen und auf dem Feld munter durcheinanderzwitschernden Schar von Vögeln wieder, wie er in der Legende beschrieben wird – ein Anblick prallen, fröhlichen Lebens, der dem vorbeiwandernden Franz spontan Lust macht, auch diesen gefiederten Geschöpfen eine Predigt zu halten,“ führt Ulrich Roscher aus.

Entstanden ist ein Werk mit großer Kraft und Intention, es spricht und rührt die Zuhörer an, es fordert auch klanglich heraus, lädt aber auch zum Verweilen in den Harmonien ein.

 

Die Gelegenheit, dieses Stück noch einmal zu hören, gibt es am noch mehrfach: am 21. Mai findet in der Corvinuskirche das Konzert zum Projekt Demokratie singen www.demokratiesingen.de (http://www.demokratiesingen.de/) statt. „Le Laude“ ist ein Teil dieses Projektes und wird deshalb am 21. Mai noch einmal zu hören sein. Außerdem sind die Ensembles Vivid Voices (Leitung Claudia Burghard) und Xperiment (Leitung Andre Wenauer) zu hören. Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

Am 12. Juni gibt es Le Laude von Ulrich Roscher noch einmal in der Waldbühne Brehmke zu hören. Dann in einer erweiterten Version: zwischen den einzelnen Teilen des Stückes erklingen Vokalimprovisationen durch die hannoversche Gruppe Maybebop und den Mitgliedern des Knabenchores. „Das gehörte von Anfang an zum Konzept des Projektes Singing for future, erläuterte Ulirch Roscher gegenüber dem Kulturbüro. „Mit dieser Mischung aus traditionell komponierter und auf Popbasis improvisierter Musik kommt man ho?entlich an neue Hörerschichten heran. Der Obertitel des Projekts Singing for future ist nicht ohne Bezug gewählt. Eine ganz tolle Initiative ist das meiner Meinung nach. Es macht richtig Lust auf die Future des Chorgesanges, wenngleich ich den deutschen Ausdruck Zukunft auch immer noch ganz schön finde.“

Vom 29. September bis zum 4. Oktober findet in Göttingen aus Anlass des Knabenchorjubiläums ein internationales Knabenchortre?en statt. Bei dem Festkonzert am 3. Oktober erklingt Le Laude ein weiteres mal.




Die nächste Aufführung von Le Laude ist am

Montag, dem 03. Oktober 2022 in der Johanniskirche Göttingen

(im Festkonzert des Göttinger Knabenchores)
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