Neue Musikzeitung
Ausgabe Juni 2024

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Das richtige Maß an Spannung

Workshop zum Thema Lampenfieber mit der Musikmedizinerin Prof. Dr. Maria Schuppert

Hannover. „Ich bin nicht dafür geschaffen, Konzerte zu geben. Das Publikum jagt mir Angst ein, ich fühle mich von seinem Atem gewürgt, von seinen neugierigen Blicken gelähmt, sprachlos beim Blick in diese eigenartigen Gesichter“. Mit diesem Zitat eröffnete Prof. Dr. Maria Schuppert ihren Workshop, der am 10.02.2024 in Hannover stattfand. Und sie verblüffte die TeilnehmerInnen mit der Auskunft, von wem es stammt: Von keinem Geringeren als Frédéric Chopin. Schlagartig wurde klar: Das Problem, um das es bei dieser Veranstaltung gehen sollte, ist nicht neu. Und: Wir alle befinden uns damit buchstäblich in bester Gesellschaft.

Doch der Reihe nach: Die Bezirksgruppe Hannover im DTKV Niedersachsen hatte diesen ganztägigen Workshop organisiert und als Leiterin eine renommierte Vertreterin der Musikermedizin gewinnen können: Maria Schuppert, jüngst emeritierte Professorin für dieses Fach an der Musikhochschule Würzburg.

Frau Prof. Schuppert (Foto: Ulrich Roscher)

Zunächst machte sie den Unterschied zwischen Lampenfieber und einer Auftrittsangst deutlich: Solange die dabei waltende Anspannung so bemessen ist, dass sie die Ausführende zu einer gesteigerten Leistung führt, spricht man von ersterem. Wird jedoch die Spannung so groß, dass sie die Leistungsäußerung behindert, hat man es mit dieser Angst zu tun.

Diese äußert sich in verschiedenen Dimensionen. Prof. Schuppert unterschied hier zwischen der kognitiven, emotionalen, vegetativen und sozial-performativen Dimension der Angstreaktion. Zur ersten gehört z. B. das Abdriften in negatives Denken („Das kann ja gar nicht klappen“). Zur zweiten etwa eine Scham, sich zu zeigen. Zur dritten die unwillkürliche Erhöhung des Muskeltonus, welche z. B. zum Bogenzittern führt. Zur performativen Dimension schließlich gehört die Erkenntnis, dass man etwa eine bühnenpräsente Körperhaltung durchaus in einem technischen Sinne erlernen kann und danach womöglich feststellt, dass man sich damit auf der Bühne tatsächlich präsenter und sicherer fühlt.

Diese Aufzählung zeigt bereits: Soviel Aspekte der Auftrittsangst es gibt, soviel Ansatzpunkte für Lösungsmöglichkeiten gibt es auch. Hier spannte Prof. Schuppert einen weiten Bogen über alle Gebiete, denen die diesbezügliche Forschung sich in den vergangenen Jahrzehnten gewidmet hat, und ihre praktisch verwertbaren Ergebnisse. Zu diesen gehört auch die Entwicklung von Psychopharmaka zur Unterdrückung von mancherlei Symptomen. Überraschend und womöglich ein wenig befremdlich mag es für manche TeilnehmerIn gewesen sein, zu erfahren, dass die Einnahme solcher Substanzen unter konzertierenden KünstlerInnen heutzutage kaum weniger verbreitet ist als im Leistungssport. In anschließenden Gesprächen tauchte die Frage auf, wer wohl eher krank ist: die MusikerIn oder das System, in dem sie arbeitet.

Aufgelockert wurde der Vortrag durch körperliche Übungen zur Mobilisierung und Beruhigung. Auch dies nahmen die sechzehn TeilnehmerInnen dankbar mit auf ihren Weg nach Hause und in ihre weitere Arbeit mit dem Thema.

◾ Ulrich Roscher (ru)

Teilnehmende (Foto: Ulrich Roscher)



Katrin Remmert - Kurz vorgestellt

Katrin Remmert wurde 1982 in der Nähe von Osnabrück geboren. Nach dem Besuch eines musischen Gymnasiums mit Leistungskurs Musik ging sie für einige Monate nach London zum Musikinstitut „Vocal Tec“.

Danach begann sie 2003 ihr Studium am Institut für Musik in Osnabrück, wo sie als erste Frau diesen Studiengang wählte: Instrumentalpädagogik mit der Fachrichtung E-Gitarre, nicht klassische Gitarre. Sie schloss 2009 sowohl in den Bereichen Jazz als auch Pop ab.

Katrin Remmert (Foto: Monika Strickstrock)

Direkt nach dem Studium spielte sie viele Live-Konzerte mit Eigenkompositionen und wurde als Sub-Gitarristin für einige Jahre für die Harald Schmidt Show engagiert.

Darauf folgten auch Auftritte u.a. bei Wetten Dass oder Konzerte als Gast-Musikerin u.a. bei der amerikanischen Blues- und Rocksängerin Beth Hart und Udo Jürgens.

Parallel erarbeitete sie sich kontinuierlich einen festen Kundenstamm an Gitarrenschüler*innen, woraus sich die Idee entwickelte, 2013 den „Musikhof Melle“, eine private Musikschule in der Nähe von Osnabrück, zu gründen.

In den letzten Jahren hat Remmert den Fokus vor allem auf die Musikpädagogik gelegt und wird als Gitarren- oder Banddozentin gebucht (z.B. Landesmusikakademien in Niedersachsen, NRW, Hessen). 2017 als auch 2023 gewann einer ihrer Schüler jeweils den 1. Preis bei Jugend musiziert auf Bundesebene.

Im Januar 2024 wurde sie zur Schatzmeisterin im Geschäftsführenden Vorstand des DTKV-Landesverbandes e. V. gewählt. (gs)

Weitere Informationen unter www.musikhof-melle.de.




"Tanzen wie am Hof des Sonnenkönigs"

Hemmor. Am Samstag, 21.September 2024, in der Zeit von 10 Uhr bis 18 Uhr, findet in der Musikschule An der Oste, Bahnhofstraße 36, in 21745 Hemmoor (LK Cuxhaven), ein Seminar "Tanzen wie am Hof des Sonnenkönigs“ statt.

Carla Linné von der Hochschule für Künste Bremen wird bei diesem Tanzseminar in die Schritte und Formen von Barocktänzen einführen. Alle, die Barockmusik lieben oder selbst beruflich oder in ihrer Freizeit spielen, sind eingeladen mitzutanzen.

Die Organisation hat die DTKV-Bezirksgruppe Cuxhaven/Stade; übernommen.

Teilnehmenden entstehen Kosten in Höhe von 65 €, DTKV-Mitglieder zahlen nur 50 €, Schüler:innen/Student:innen 35 €. (gs)

Weitere Informationen und einen Seminar-Flyer finden Interessierte auf der Homepage www.dtkv-niedersachsen.de, weiteres kann angefordert werden unter kug.senftleben@t-online.de.




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Seminar Tanzen wie am Hofe des Sonnenkönigs

mit Barocktänzen, angeleitet von Carla Linné (Bremen)
Sonnabend, 21. September 2024
10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
in der Musikschule An der Oste
Hemmoor (LK Cuxhaven)

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