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Archiv DTKV Niedersachsen
Ausgabe März 2026
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ChoRaLis spielt „Die sieben letzten Worte Jesu am Kreuze“ in Cloppenburg
Instrumentalkomposition nach Joseph Haydn am Samstag, 28. März 2026, um 19:30 Uhr in der St. Bernhard-Kirche
Das Ensemble ChoRaLis führt am Samstag, 28. März 2026, um 19:30 Uhr in der St. Bernhard-Kirche, Lindenallee 11, 49661 Cloppenburg/Emstekerfeld, die Komposition „Die sieben letzten Worte Jesu am Kreuze“ auf. Der Eintritt ist frei.
Das Werk ist als siebensätzige Instrumentalkomposition angelegt und nimmt Bezug auf Joseph Haydns Oratorium „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ aus dem Jahr 1796. ChoRaLis deutet den Stoff als musikalische Meditation neu. Die sieben Sätze greifen die letzten Worte Jesu am Kreuz auf und übertragen sie in eine zeitgenössische Klangsprache.
Zu hören ist eine Besetzung für Orgel, E- und Akustikgitarren, Percussion und E-Piano. Fest ausgearbeitete Motive verbinden sich mit improvisierten Passagen. So entsteht ein Werk, das Raum für eigene Bilder, Gedanken und persönliche Deutungen lässt.
DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN
Szenisches Konzert der Streicherakademie Hannover
von Ulrich Roscher
Am Sonntag, 22. März 2026 fand im Galeriegebäude des Herrenhäuser Schlosses in Hannover ein festliches Konzert der Streicherakademie Hannover in Zusammenarbeit mit mehreren Kinder- und Jugendchören der Stadt unter der Gesamtleitung von Marie-Luise Jauch statt. Diese Akademie ist eine private Unterrichtsstätte, die Kindern und Jugendlichen aus der Region eine profunde Ausbildung auf allen Streichinstrumenten anbietet. Marie-Luise Jauch, die sich seit vielen Jahren als Mitglied im DTKV Niedersachsen engagiert, hat diese Akademie vor 23 Jahren gegründet. Bei dem Konzert in dem mit 500 Zuhörern voll besetzten Barocksaal wurden nun 120 Schüler und Schülerinnen streichend, singend und tanzend bewegt, was allein unter organisatorischem Aspekt eine Meisterleistung des siebenköpfigen Teams dieser Akademie darstellt.
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| Die Streicherakademie im Galeriegebäude des Herrenhäuser Schlosses in Hannover |
Die Stückauswahl des Programms reichte von G. F. Händel (der sich in seiner Zeit als Hannoverscher Kapellmeister öfters in demselben Saal aufgehalten haben dürfte) über Mendelssohn und Schostakowitsch bis hin zu der Adaption eines Songs der Rockgruppe Coldplay. Das alles diente zur Illustration von H. C. Andersens Märchen vom Mädchen mit den Schwefelhözern: Dieses arme Kind versucht in einer kalten Silvesternacht, mit dem Verkauf von Streichhölzern etwas Geld für den Lebensunterhalt ihrer Familie zu verdienen – ohne Erfolg. In seiner Verzweiflung zündet es nun verbotenerweise ein Streichholz nach dem anderen an, um sich wenigstens selbst daran etwas zu wärmen. Dabei verfällt das Mädchen in Träume über gut beheizte Stuben und reich gedeckte Tische, mit denen der wohlhabende Teil der Gesellschaft zur gleichen Zeit den Silversterabend feiert. Bei Andersen verstirbt das Kind über diesen Träumen. Im Konzert der Streicherakademie wurde diese Geschichte andeutungsweise dreimal nacheinander durchgespielt – jedesmal mit einem anderen Ausgang: Beim ersten Mal ziehen die Kinderchöre, in jämmerliche Lumpen gehüllt, bettelnd an dem auf der Bühne agierenden Orchester vorbei. Dabei bekommt das Mädchen eine erträumte Geige gereicht und wird zu den Klängen von Brittens Sentimental Sarabande ins Jenseits aufgenommen. Beim zweiten Durchgang vertreiben die hungernden Kinder die erklingende Hochkultur von der Bühne. In der dritten Version finden Chor und Streichorchester zusammen unter dem Motto der solidarischen Zusammenarbeit. Welches Stück könnte das besser zum Ausdruck bringen als Schillers Ode an die Freude, welche zum Abschluss des Abends in einer reduzierten Fassung der Vertonung durch L. v. Beethoven erklang, zur merklichen Gaudi aller Beteiligten und zum Jubel des begeisterten Publikums.
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| Ein heimeliger Weihnachtsbaum, erträumt vom frierenden Mädchen mit den Schwefelhölzern |
Es ist hier nicht der Ort, auf die Vielzahl der in diesem Programm vorgetragenen Stücke einzeln einzugehen. In Erinnerung bleibt der auffällig saubere, satte Streicherklang der verschiedenen, nach Altersstufen gestaffelten Ensembles. Dieser Sound hängt sicherlich mit der besonderen Methodik zusammen, welche die Streicherakademie verfolgt: Bei den Jüngsten geht es los mit viel Singen, dies konsequent auch auf Tonsilben, also der Einübung der Solmisation. Dazu kommen tänzerische Übungen und vor allem das Prinzip: Weg mit den Noten! Das Instrument selbst, die Anforderungen seiner Handhabung und der Klang, den man daraus zieht, stehen auf diese Weise im Zentrum der Aufmerksamkeit des Schülers. Der Erfolg dieser Methode ist hörbar. Besonders glücklich sind die Momente, in denen künstlerischer Ausdruck und pädagogische Methode direkt zusammenfließen.
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| In voller Aktion: unterschiedliche Altersgruppen bei der Streicherakademie |
Das war z. B. der Fall, als die Kinder die Ausgelassenheit einer gutbetuchten Silvestergesellschaft dadurch illustrierten, dass sie, eine fröhliche Fiddlemusik spielend, zugleich einfache Tanzschritte dazu vollführten. Bei einer solchermaßen beweglich einstudierten Musik kann eine Steifheit am Instrument, wie man sie andernorts gerade bei Streichern oft beobachtet, gar nicht erst aufkommen.
In der Streicherakademie Hannover wird ein weiter Bogen gespannt von der elementaren Methodik des Streichinstrumentenspiels über die stilistisch angemessene Darstellung klassischer Meisterwerke bis hin zur geistigen und gesellschaftlichen Bedeutung der Musik. Dafür ist sie seit Jahren immer wieder mit Preisen bedacht worden, zuletzt mit einem guten Abschneiden beim Bundesorchesterwettbewerb 2025 in Mainz. Die Akademie verdient jedoch nicht nur die Aufmerksamkeit auf solchen Wettbewerben, sondern auch die aller Fachkollegen, die nach auch neuen Wegen in der Instrumentalpädagogik suchen. Können wir Musiker etwas zur Verminderung der Spaltungstendenzen in unserer Gesellschaft beitragen? Yes, we can.
◾ Ulrich Roscher (ro)
Wald und Bäume in Musik und Poesie
Konzert am Dienstag, 17. März 2026, um 19.30 Uhr im Forum St. Peter in Oldenburg
Klaviermusik und Lyrik führen am Dienstag, 17. März 2026, um 19.30 Uhr im Forum St. Peter in der Peterstraße 22–26 in Oldenburg durch eine musikalische Waldlandschaft. Unter dem Titel „Wald und Bäume“ verbinden der Pianist Faraz Forouzandeh und die Musikwissenschaftlerin Kadja Grönke Werke der Romantik mit nordischer Klaviermusik und zeitgenössischer Komposition.
Im Mittelpunkt des Programms stehen Robert Schumanns Klavierzyklus Waldszenen op. 82 sowie Werke von Edvard Grieg und Jean Sibelius. Ergänzt werden sie durch Lyrik von Heinrich Heine, Joseph von Eichendorff, Michail Lermontow, Rudaki, Friedrich Rückert und Johann Wolfgang von Goethe. Die Gedichte werden von Kadja Grönke rezitiert und bilden gemeinsam mit der Musik einen gedanklichen Weg durch den Wald – von der romantischen Naturerfahrung bis zu nordischen Klanglandschaften.
Einen besonderen Akzent setzt die Uraufführung von Christoph J. Kellers Klavierstück Poème III (Baum des Lebens), das der Oldenburger Komponist im Jahr 2025 vollendet hat. In dem Werk verbindet Keller traditionelle Kompositionstechniken mit einer gemäßigt modernen Tonsprache. Der Grundton B bildet dabei den harmonischen Ausgangspunkt für die musikalische Entwicklung.
Der Pianist Faraz Forouzandeh, 1993 in Teheran geboren, studierte Klavierpädagogik an der Hochschule für Künste Bremen sowie „Musik und Vermittlung“ an der Musikhochschule Münster. Derzeit studiert er im Konzertfach Klavier am Prince Claus Conservatorium in Groningen und unterrichtet in Oldenburg sowie an der Kreismusikschule des Landkreises Diepholz.
Kadja Grönke ist Musikwissenschaftlerin und außerplanmäßige Professorin an der Universität Oldenburg. Sie arbeitet zur Musik des 19. bis 21. Jahrhunderts und engagiert sich seit vielen Jahren in der Vermittlung von Musik und Literatur. Als Initiatorin der Dialogkonzerte an der Universität Oldenburg verbindet sie regelmäßig wissenschaftliche Perspektiven mit künstlerischer Praxis.
Der Eintritt zum Konzert ist frei, Spenden sind willkommen. Veranstaltungsort ist das Forum St. Peter, Peterstraße 22–26 in Oldenburg.
KONZERTREIHE „DIE KLÄNGE DER FRAUEN“
Der Deutsche Tonkünstlerverein möchte auch 2026 die bereits seit 2020 etablierte und publikumswirksame Reihe „Die Klänge der Frauen“ am Internationalen Frauentag fortsetzen und diesmal zwei außergewöhnliche Komponistinnen in einem Portrait vorstellen: die kroatische Komponistin Dora Pejaevi der Spätromantik und die aus Rumänien stammende deutsche Komponistin und Musikwissenschaftlerin Prof. Violeta Dinescu. Beide werden mit jeweils einem besonders bedeutsamen Werk vorgestellt, um das Vorurteil „Frauen können keine großen Kompositionen schaffen“ zu widerlegen. Für die Interpretationen dieser Klavierwerke konnten die Pianistin Lal Karaalioglu (Türkei) und Louisa Emilia Schneider gewonnen werden.
Ein zweiter Schwerpunkt des Konzertes ist die Begegnung mit Prof. Violeta Dinescu, die der Einladung des DTKV Braunschweig gefolgt ist und im Konzert anwesend sein wird. Im Gespräch soll die Hemmschwelle vor der Neuen Musik überwunden werden. Dinescu gehört zu den wichtigsten und international anerkannten zeitgenössischen Komponistinnen, deren Musik überall in der Welt aufgeführt wird.
Die Musikwissenschaftlerin Claudia Bigos, dem Publikum bereits aus zahlreichen Veranstaltungen zum Thema „Komponistinnen“ bekannt, wird im Gespräch mit der Komponistin auch in die oft schwer lesbare Verschriftlichung der Neuen Musik einführen.
Es werden zwei Werkzyklen von Frau Prof. Dinescu aufgeführt. Ausgewählte Stücke aus dem Klavierheft I „Märchen“ werden von SchülerInnen Braunschweiger KlavierpädagogInnen vorgetragen. Der zweite Zyklus Klavierheft II zeigt das ganze Universum der Ideen Dinescus. Anhand von 11 Vogelnamen entwickelt die Komponistin Musikbilder, die teils mit der traditionellen Schriftart und teils mit Sonderzeichen komponiert sind. Ziel ist es, das Unvorstellbare zu konkretisieren und in Musik zu verwandeln.
Die erst kürzlich entdeckte dreisätzige spätromantische Sonate b-Moll op.36 von Dora Pejaevi beeindruckt mit ihrer musikalischen Ausarbeitung und formalen Konzeption – eine (überfällige) Braunschweiger Erstaufführung.
Der DTKV ist sehr stolz, in Braunschweig eine Komponistinnen-Portraitreihe ins Leben gerufen zu haben, die einen großen Teil zur Sichtbarkeit der über viele Jahrhunderte unsichtbaren Komponistinnen beiträgt und die viel positive Rückmeldung vom Braunschweiger Publikum erhalten hat.
◾ Friederike Leithner (fl)
Flyer zum Downloaden (PDF)
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